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Was den Erfolg verhindert: Die Angst vor Veränderung & Freiheit

    

Angst vor Veränderung? Veränderung bedroht das Überleben. Das kann zur Angst vor Erfolg und einer Angst vor Ablehnung führen. Es kann aber auch zu Kontrollzwang führen. Denn eine Veränderung, die ich nicht kontrolliere, kann mich meine Macht kosten. Genau diese Angst vor Veränderung und Angst vor Kontrollverlust lassen Imperien stürzen. Wir finden diese Mechanismen aber auch in mancher Ehe, wo der eine Partner den anderen, in seiner persönlichen Entwicklung hemmt, weil Veränderungen den Status Quo, die Macht und die Kontrolle gefährden.

Deshalb wird Freiheit von vielen Menschen gar nicht als etwas Erstrebenswertes empfunden, was sie auch immer darunter verstehen mögen. Man müsse lernen sich zu bescheiden und sich unterzuordnen; wenn man frei sei, dann könne man ja rücksichtslos sein, dann seien einem sozusagen keine Grenzen mehr gesetzt, und das sei schlecht.

Wir haben Schwierigkeiten mit dem Auseinanderhalten von Egoismus und individuellem Weg, vor allem weil eine sprachliche Begriffsverwirrung besteht. Das Wort Individualität wird oft mit Egoismus gleichgesetzt. Bei uns taucht im Zusammenhang mit individueller Freiheit oft eine große Unsicherheit auf, die Angst zu wissen, wo die Grenze ist. „Wenn jeder machen kann, was er will, dann gibt es ja Chaos“ und ähnliche Bedenken werden geäußert. In einer Gesellschaft, die aus lauter unterentwickelten Egoisten besteht, stimmt dies natürlich auch. Es ist einerseits die Angst vor der eigenen Freiheit, die ja immer auch Selbstverantwortung bedeutet, als auch die Angst vor der überbordenden Freiheit der anderen.

   

Auch hört man oft die Ansicht, unsere heutige Gesellschaft sei zu individualistisch, und damit meint man zu egoistisch. Der Einzelne könne rücksichtslos seine egoistischen Ziele verfolgen, und es bestehe kein Unterordnen unter ein gemeinschaftliches Ganzes mehr. Der Haken daran ist, das unter einem gemeinschaftlichen Ganzen meist ein Gebilde verstanden wird, in dem entweder die Gemeinschaft als Ganzes oder deren Vertreter bestimmen, inwiefern sich der Einzelne unterzuordnen hat, und nicht das Individuum selbst.

Das Individuum ist somit fremdbestimmt und untersteht dem Zwang einer Gemeinschaft, die mehr oder weniger autoritäre oder totalitäre Züge aufweist (Möwe Jonathan). Oft kommt noch ein moralischer Anspruch dazu: Sich der Gemeinschaft unterzuordnen ist moralisch hoch stehend; eigene, private oder individuelle Ziele verfolgen ist verwerflich. Oft wird sogar Wohlstand als etwas moralisch Schlechtes betrachtet, weil die Menschen damit Freiheiten verschiedener Art gewinnen können. Neid und Schadenfreude scheinen hier mitzuschwingen: Wenn ich schon nicht darf, sorg ich dafür, dass du auch nicht darfst.

Eine freie Gesellschaft

Weder Unterordnung noch Rücksichtslosigkeit sind eine sinnvolle Form des Zusammen-arbeitens, da beide auf Egoismus und Fremdbestimmung basieren. Freiheit ist eben nicht gleichbedeutend mit dem Ausleben von egoistischen Interessen. Sie ist auch unvereinbar mit sozialem Zwang und Unterwerfung des Einzelnen, und Sich-Unterordnen ist keine Tugend. Eine Gemeinschaft von sich unterordnenden Menschen ist keine freiheitliche Ordnung, und der Einzelne hat keine Möglichkeit seinen eigenen Weg zu gehen.

    

Eine freie Gesellschaft ist eine Gesellschaft von Individuen und braucht keine Unterordnung. Sie ist nicht totalitär oder diktatorisch, d.h., sie muss nicht über den Einzelnen bestimmen und Zwang ausüben. Der Einzelne erkennt seine Pflicht, sein Beitrag an das Ganze, dessen Teil er selbst ist, und erfüllt sie mit Freude, weil sie ihm gemäß ist, weil er einen Sinn darin sieht und weil er sich auf diese Weise verwirklichen kann. Diese Pflicht kann ihm nicht von außen gegeben werden, nur er allein kann sie erkennen, er kann seine Bestimmung wissen. Wenn jeder sein ureigenen Teil beiträgt, trägt er zugleich sein Bestes bei, und dann ist dem Ganzen auch am besten gedient.

Wenn er nicht sein eigenes Bestes geben kann, lebt er nicht nur unerfüllt, sondern es ist auch ein Verlust für das Ganze: Wichtige Ressourcen liegen brach, denn ohne Freiheit kann niemand sein Bestes leisten, weil sein Bestes aus ihm herauskommt.

Eine anzustrebende menschliche Gemeinschaft wäre eine, in der sich alle wohl fühlen und in Freiheit leben können, und diese steht und fällt mit dem Bewusstsein des Einzelnen, in welchem Maße sie ihre Individualität entwickelt haben. Egoisten schaffen immer unfreiheitliche, diktatorische oder totalitäre menschliche Zusammenschlüsse, und sie schaffen auch einen „faulen Frieden“, d.h. einen Frieden, der auf Unterdrückung und Angst basiert.

Alle Kraft den Neuen

    

Von Jesus wird gesagt, er sei ein Revolutionär und Neuerer gewesen, im sozialen wie religiösen Bereich. Er lebte zu einer Zeit und an einem Ort, wo eine starre, patriarchale Gottesvorstellung herrschte. Weh dem, der nicht an diesen alttestamentlichen Gott glaubte und ihm nicht absoluten Gehorsam leistete. Die Pharisäer als Mittler zu diesem gefürchteten Gott hatten deshalb auch beträchtliche Macht. Nur über sie kam man zu Gott und zum ewigen Leben. Nun kommt Jesus und sagt:

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Zum Leben gehört Wandel, Veränderung, Vergänglichkeit. Der Mensch möchte sich aber an Zustände, Dinge oder Menschen klammern, wenn sie ihm angenehm sind oder Sicherheit bieten, wenn ihm etwas vertraut ist oder er etwas gewohnt ist. Dies Anklammern und Festhalten ist die eigentliche Ursache unserer Probleme, denn wenn man sich nicht anklammere, wäre der Wandel nicht so erschreckend. Ja es gibt sogar Menschen, die klammern sich ans Unglück, wenn ihm die ungewisse Zukunft angst macht.

„Wer zu spät kommt den bestraft das Leben.“
- Michael Gorbatschow -

 
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